Leseprobe:

Jetzt wollte sie nur noch nach Hause. Stefano schaute noch einmal ob alles in Ordnung war und dann verließen sie die Taverne um sich auf den Heimweg zu machen. Heute war Vollmond und so war es in den kleinen Gassen nicht so finster wie sonst, denn die meisten Leute schliefen schon um diese Zeit und hatte ihre Gaslampen gelöscht, so dass kein Licht mehr durch die Fenster nach außen schien. Zu Hause angekommen öffnete Stefano die Tür und ließ sie voran gehen. Gleich neben der Tür hing die alte Gaslampe und sie zündete sie an, damit sie etwas sehen konnten. Laura und Stefano gingen in die Küche um noch einen letzten Kaffee zu trinken bevor sie sich schlafen legten. Sie ging an ihm vorbei zum Schrank um die Tassen heraus zu nehmen. Im vorbei gehen nahm er ganz sanft ihre Hand und mit einem mal verspürte sie ein nie gekanntes Gefühl in ihr aufsteigen. Ihr Herz fing heftig an zu klopfen und sie bemerkte die Wärme, die durch ihren Körper strömte. Laura ging schnell an ihm vorbei und hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte. Nachdem das Feuer im Herd zu knistern begann, setzte Laura die Blechkanne mit dem Kaffee darauf und wartete bis der Kaffee kochte und fertig war. Das ging eigentlich immer recht schnell und so mussten sie nicht lange warten um den Kaffee trinken zu können. Sie wagten gar nicht so richtig einander anzuschauen und wenn sie ihn doch anblickte, merkte sie die Verlegenheit in seinem Gesicht. Ihr Körper glühte noch immer und sie wusste, dass es nicht von dem Kaffee kam. Laura schaute Stefano an und auf einmal wurde ihr klar, dass sie dort drüben auf dem Stuhl nicht mehr denselben Mann sah, den sie heute Morgen noch dort gesehen hatte. Sie sah ihn jetzt mit den Augen einer liebenden Frau. Wie konnte das geschehen? War sie zu lange alleine gewesen und ihre Gefühle spielten ihr einen Streich? Ich werde mich doch nicht verliebt haben fragte sie sich selber. Aber ihr wurde schnell klar, dass genau das in dem Moment, als er ihre Hand nahm, geschehen war. In seinen Augen konnte sie sehen, dass er genauso fühlte wie sie. Er begehrte sie und sie hatte es vorher nicht bemerkt. Heute Abend lag eine gewisse Spannung zwischen beiden und ein Gespräch wollte nicht so recht zustande kommen. Also wünschten sie sich eine gute Nacht und gingen dann in ihre Zimmer um zu schlafen. Aber an Schlaf war diese Nacht bei beiden nicht zu denken. Unaufhörlich dachte sie an das Geschehene und wie es nun weiter gehen sollte. Die Unbeschwertheit mit der sie sich sonst neckten und ihre Späße miteinander machten, war auf einmal dahin. Dabei war doch eigentlich noch gar nichts geschehen. Eine Berührung ihrer Hände war doch des Öfteren vorgekommen. Das blieb gar nicht aus wenn man täglich miteinander arbeitete und sich irgendwelche Sachen zu reichte. Doch heute war es keine zufällige Berührung gewesen; Stefano hatte ihre Hand erfasst und sie hatte es geschehen lassen. Bei dem Gedanken daran, welche Gefühle es in ihr ausgelöst hat, wurde ihr wieder ganz warm ums Herz und sie merkte, dass eine heiße Glut ihren Körper durchströmte. Laura überlegte ob es ihm dort drüben in seinem Zimmer genauso erging wie ihr und ob er auch nicht schlafen konnte. Selbst in der Dunkelheit ihres Zimmers konnte sie seine brennenden Augen sehen mit denen er sie ansah, als er ihre Hand nahm. Sie hatte recht mit ihren Gedanken. Stefano lag hellwach auf seinem Bett und machte sich Gedanken was nun werden sollte. Heute wurde es ihm bewusst, dass er sich schon vor einer ganzen Weile in Laura verliebt hatte und dieser Gedanke beunruhigte ihn zutiefst. Er wollte sich nicht verlieben. Zu tief saß der Schmerz des verlassen werden noch in ihm. Aber sein Herz zog ihn zu Laura und er spürte, wie sehr er sie begehrte. Hatte das alles überhaupt einen Sinn? Laura könnte doch vom Alter her seine Mutter sein. Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Fragt wahre Liebe nach Alter, Gut oder Geld? Nein, alles wird so unwichtig wenn man sich nur aufrichtig liebt; und wie er Laura liebte, am liebsten würde er zu ihr gehen und sie in seine Arme nehmen. Auch in ihm brannte ein Feuer wie schon lange nicht mehr und er würde alles dafür geben, seine Sehnsucht und sein Verlangen zu stillen. Er wusste nur eines, er wollte in ihre Nähe und bei ihr sein. Mit diesen Gedanken schlief er ein und in seinen Träumen wurde er zum glücklichsten Menschen der Welt.





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